Sabine, Blumenschein und mein Ruf als Mörder (eine fast wahre Geschichte)

 

Sabine starb viel zu jung, auch wenn ihr am Ende das Leben furchtbar vorgekommen sein musste. Alles wäre gut gegangen mit uns, davon bin ich bis heute überzeugt. Nach meiner Rückkehr aus Paris hatte ich ihr sogar die Ehe angeboten. Sie hatte sich Bedenkzeit erbeten, das mich nicht wirklich verwundert hatte. Spontanität war für Sabine immer ein Fremdwort gewesen.

   Wenn sie doch bloß die Anweisung nach meiner Entdeckung befolgt hätte. Es war das Einzige, worauf ich während unserer Beziehung bestanden hatte: Halte dich von meinem Raum im Keller fern. Als wenn das zu viel verlangt gewesen wäre! Schließlich hatte sie sonst alle Freiheiten. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, in ihren Schubladen zu schnüffeln oder hinter ihr her zu spionieren, wenn sie abends mit Freundinnen oder Kommilitonen unterwegs gewesen war. So viel Vertrauen musste man zueinander haben! Ich hatte gedacht, wir wären uns einig gewesen. Aber sie hatte ihren eigenen Kopf gehabt und musste letztendlich dafür bezahlen. Ohne es zu wissen, hatte sie sich ihren Tod selbst ausgesucht. Mit nur 25 Jahren starb sie einsam, depressiv, alkoholabhängig und verwahrlost im Körper einer alten Frau. Wahrscheinlich noch mit der Angst vor unbekannten Mächten, Dämonen, was auch immer – und, wie ich fürchte, einer insgeheimen Wut auf mich. Sie war oft in unsere Wohnung zurückgekehrt, aber ein Zeichen des Vorwurfs hatte sie nicht hinterlassen. Nicht auf dem verdreckten Block und auch sonst nirgendwo. Das hatte ihre Größe gezeigt und war lange Zeit der einzige Trost für mich.

   Nur ich weiß von ihrem wahren Ende, alle anderen hätten es mir nicht geglaubt oder mich für verrückt erklärt. Sabines Familie hatte mir ohnehin nicht über den Weg getraut und mich von Anfang an für ihren Mörder gehalten. Auch für gemeinsame Freunde hatte festgestanden, dass ich sie auf Seite geschafft haben musste. Meine natürliche, immer dagewesene Zurückhaltung hatte mich verdächtig gemacht – plötzlich war ich für alle ein menschenscheuer Geheimniskrämer geworden, bei dem man sich schon immer gefragt hatte, was Sabine ausgerechnet an ihm gefunden hatte. Einige hatten mir in ihrer Überreaktion sogar Versicherungsbetrug vorgeworfen, dabei hatte überhaupt keine Lebensversicherung existiert. Wer schließt denn eine ab, wenn er am Anfang seines Lebens steht?

   Als ich im Jahr nach dem Unglück Köln verließ, fühlten sie sich in ihren Verdächtigungen bestätigt. Ich konnte tausendmal beteuern, dass ich es in der Stadt nicht mehr aushielt, weil es an jeder Ecke Erinnerungen an unsere gemeinsame Zeit gab. Außerdem war mein Ruf im Krankenhaus ruiniert, nachdem man mich für zehn Wochen vom Dienst suspendiert hatte. „Zum eigenen Schutz“, hatte der Verwaltungschef gesagt, dabei konnte ich mich, wenn überhaupt, nur durch Arbeit ablenken. Danach war ich in die Innere versetzt worden – dahin, wohin ich nie gewollt hatte. Es war hoffnungslos für mich in dieser Stadt. Die Sticheleien, Vorwürfe und Drohungen verfolgten mich dennoch weiter. Als wäre ich mit dem Verlust nicht genug gestraft. Hoffnungslos, das galt auch für mein Leben, da konnte ich noch so viel Imipramin schlucken.

   Selbst heute erhalte ich in unregelmäßigen Abständen anonyme Briefe. Im Internet über mich verbreitete Lügen werden von den Suchmaschinen seit Kurzem nicht mehr aufgeführt, ich musste lange darum kämpfen. Die Polizei und von ihrem Vater immer wieder beauftragte Detektive konnten mir nie etwas nachweisen. Natürlich konnten sie es nicht – nicht einmal ansatzweise, wie denn auch? Meine Ex-Freundin gilt bis heute als verschollen. Das wird auch so bleiben. Die tote alte Frau mit der Rotweinflasche in der Hand wurde dagegen nie identifiziert. Für die Zeitungen war sie nur wenige Tage interessant gewesen. Immerhin konnte ich noch herausfinden, dass man sie auf dem Südfriedhof beigesetzt hatte ...

 

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Taschenbuch und alle E-Book-Formate
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erscheint im Feb. 2018
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Foto: Heinz-Gerd Wöstemeyer (Taschenbuch und Kindle!)
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Cover u. Foto: Jürgen Schmidt (Nur als Kindle-Ebook!)
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Cover u. Foto: Jürgen Schmidt (Taschenbuch und Kindle-Ebook!)
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Cover u. Foto: Michaela Kura (Taschenbuch, vergriffen!)
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Die Borussia-Diät, Kurzgesch. (Anthologie, alle Formate)
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Cover u. Foto: Jürgen Schmidt (Nur als Kindle-Ebook!)
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15. Nov. Wuppertal
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Cover u. Foto: Jürgen Schmidt (Taschenbuch, vergriffen!)
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Cover u. Foto: Jürgen Schmidt (Nur als Kindle-Ebook!)
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Cover: W. Stephan/M. Kura (Taschenbuch, vergriffen!)
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