Mathias Wünsche: Engel und Tod

 

„Gestern kannte ich ihn noch nicht, heute bin ich schon fast ein Lou-Parker-Fan.“ So würde mein zugegeben knappes bis oberflächliches Fazit des Krimis aussehen. Der von Mathias Wünsche geschaffene Detektiv kommt äußerst sympathisch und schwungvoll daher. Der Enddreißiger mit dem Musikgeschmack eines gut 60-Jährigen verfügt über eine bewegte berufliche wie private Vergangenheit, an der der Autor den Leser zwischendurch immer wieder teilhaben lässt.

 

Diese Vergangenheit ist es auch, die Lou Parker im aktuellen Fall einholt. Eine ehemalige Bekannte aus dem Rotlichtmilieu benötigt offensichtlich seine Hilfe. Parker verspricht zu schauen, was er für sie tun kann, und hängt schneller in der Sache drin, als ihm lieb ist. Tina, so heißt die Bekannte, war im Übrigen mitverantwortlich dafür, dass Parker letztendlich seinen Job bei der Polizei hingeworfen hatte. Damals vor fünf Jahren. Damals in Köln. Mittlerweile hat Parker eine neue Bleibe im beschaulichen Siegburg gefunden. Auch die Liebe hat es gut mit Lou gemeint und bescherte ihm mit Alex eine gleichermaßen attraktive, kluge wie verständnisvolle Freundin. Kaum zu verstehen, dass die schwer durchschaubare Tina ihn da erneut irritieren kann. Parallel verschwindet plötzlich auch ein älterer Freund, dem Parker kurz zuvor einen Auftrag vermittelt hatte. Lou fühlt sich verständlicherweise verantwortlich und hat auf einmal jede Menge Arbeit vor sich. So viel, dass er sogar den ersehnten Kurzurlaub mit Alex abbrechen muss.

 

Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. Der Kriminalroman ist äußerst spannend, in einer verständlichen sowie fließenden Sprache verfasst. Die natürlichen Dialoge sind wie aus dem Leben gegriffen, die Atmosphäre geradezu spürbar, kurzum: „Engel und Tod“ ist ein wahrer Lesegenuss!

 

David Foenkinos: Das geheime Leben des Monsieur Pick

 

Dem Franzosen David Foenkinos ist erneut ein erstaunlicher Roman geglückt, den man innerhalb kurzer Zeit nur so weglesen kann, vielleicht sogar muss. Wie bereits beim Vorgängerbuch „Charlotte“ besticht auch in diesem Werk Foenkinos‘ Liebe zum Detail. Die Personen wurden liebevoll, sauber und realistisch entworfen – man sieht und hört sie geradezu. Mitunter möchte man sich einmischen und ihnen etwas zurufen.

 

Worum geht es? In einem bretonischen Kaff namens Crozon ist vor vielen Jahren eine „Bibliothek für abgelehnte Manuskripte“ entstanden. Seit dem Tod des Gründers Jean-Pierre Gourvec ist sie fast in Vergessenheit geraten, bis die junge Pariser Lektorin Delphine mit ihrem Freund Frédéric den Urlaub bei den Eltern verbringt. Delphine findet in der Bibliothek einen wahren Schatz: nämlich das Manuskript „Die letzten Stunden einer großen Liebe“, geschrieben von Monsieur Pick, dem vor zwei Jahren verstorbenen Pizzabäcker des Ortes. Das Kuriose an der Sache ist, dass niemand Pick jemals mit einem Buch in der Hand gesehen hat. Dieser Mann soll einen so tollen Roman geschrieben haben? Und wann? Er hat doch unentwegt gearbeitet! Die Skepsis in Crozon ist groß, auch in der eigenen Familie.

 

Delphine beschließt die Veröffentlichung des Manuskripts – in ihrem Verlag Grasset hat sie jede Menge Fürsprecher. Die Werbetrommel wird gerührt und bereits vor Erscheinen scheint klar, dass Picks Roman ein Bestseller werden wird. So kommt es auch, die französischen Leser sind begeistert von dem Roman, mehr aber noch von der Story hinter der Story! Hier verteilt Foenkinos augenzwinkernde Schelte an die Leser sowie dem gesamten, teilweise doch sehr verlogenen Literaturbetrieb.

 

Ein in Ungnade gefallener Journalist wittert bei dem ganzen Zirkus um Monsieur Pick seine Chance auf ein Comeback. Er ist davon überzeugt, dass der Roman niemals von Pick geschrieben worden sein kann und entwickelt fortan seine eigene Theorie. Der Leser wird in die unterschiedlichen Gedankengänge der Protagonisten mit einbezogen. Das macht Foenkinos geschickt. Das Ende kommt dann doch ziemlich plötzlich, und nach meinem Geschmack zu überhastet. Das hätte der Autor mit seinem Feinsinn sicherlich besser lösen können ... Dennoch fällt mein Fazit absolut positiv aus: Eine einfallsreiche, gutdurchdachte, unterhaltsame Geschichte, die souverän mit Liebe und einer großen Portion Ironie erzählt wird.

 

Eddie Joyce: Bobby

 

Ein rundum gelungenes Werk ist der Debütroman von Eddie Joyce. Der auf Staten Island lebende Feuerwehrmann Bobby Amendola, jüngster Sohn einer italienisch-irischen Familie, verliert bei den Anschlägen vom 11. September 2001 sein Leben. Ein Schicksal von vielen, könnte man meinen. Das stimmt natürlich, aber auch wieder nicht! Joyce gelingt es am Beispiel dieser Familie aufzuzeigen, wie viel Schmerz den Hinterbliebenen zugefügt worden ist, wie andauernd und weitreichend er war und noch immer ist.


Trotzdem ist „Bobby“ kein traurig-melancholischer Roman, eher eine Art sachlicher Bestandsaufnahme. Nach 9/11 sind mittlerweile halt viele Jahre vergangen! Die Amendolas haben irgendwie zum Leben zurückgefunden, was blieb ihnen auch anderes übrig. Im Alltag wird wieder gelacht, gefeiert, getrunken … Man hat seine Ziele, seine täglichen Kämpfe und Sorgen. Und dennoch ist der tote Sohn, ist der verstorbene Bruder, der Ehemann und Vater allgegenwärtig. Bobby ist immer dabei – es geht nicht anders. Somit bleibt es nicht aus, dass kaum eine Ablenkung wirklich gelingt. Jede Freude, so nötig und berechtigt sie auch sein mag, hat ihren üblen Beigeschmack. Der Preis für das Weiterleben wird bis heute mit schlechtem Gewissen beglichen, auch wenn jeder weiß, dass Bobby das niemals so gewollt hätte …


Erzählt wird die Geschichte auf hohem Niveau, mit viel Wortwitz sowie einigen obszönen Ausrutschern, die vermutlich authentisch sind. Zumindest für eine derart unterschiedliche Familie auf Staten Island.

 Hübbe/Neromand-Soma: Per Anhalter d. Südamerika

 

Das junge Autorenduo M. Hübbe/R. Neromand-Soma nimmt den Leser mit auf ihre rund zweijährige Tour durch Südamerika, zeigt ihm Teile Argentiniens, Uruguays, Boliviens und rund zehn weiteren Ländern des Kontinents. Eine solche Mammut-Tour, 56.000 Kilometer wurden per Anhalter bewältigt, verdient ohne Frage Bewunderung, großen Respekt und von meiner Seite auch eine Menge Sympathie. Wer ist schon bereit, aus purer Neugier und Abenteuerlust derart gewaltige Strapazen und unvorhersehbare Risiken auf sich zu nehmen?


Von daher hatte ich ein interessantes, spannendes Buch über Südamerika erwartet und es weitestgehend auch bekommen! Das über 420 Seiten dicke Buch bietet eine enorme Fülle an Berichten, Erfahrungen und Eindrücken. Im Mittelteil befinden sich etwa 50 farbige Bilder, die uns das Gelesene noch näher bringen.


Auch bekommen die Autoren im Fototeil endlich Gesichter, während die beiden im Text eine, hoffentlich unbeabsichtigte Distanz zum Leser aufbauen, die den Lesegenuss leider schmälert. Das anonyme „wir/ich“ (ohne auch nur einmal zu erklären, wer gerade hinter dem Ich steckt) lässt einen mit der Zeit gleichgültig werden. Man könnte an vielen Stellen mitfiebern oder sich freuen. Oder sich für ohnehin kaum erwähnte private Schwierigkeiten (Konflikte, Krankheiten, Stimmungen, Sehnsüchten) interessieren, aber die errichtete Mauer ist zu dick. Die Autoren haben sich nicht in den Leser hineinversetzen können oder sich nicht die Mühe machen wollen. Schade für die beiden, denn sie haben hier die große Chance vertan, aus ihren vielfältigen, wahrscheinlich einmaligen Erfahrungen ein ganz besonderes Buch zu machen, vielleicht sogar in der liebenswerten Art von „Ich bin dann mal weg“.


Dennoch habe ich die Reiseberichte sehr gern gelesen – die enthaltenen Schilderungen und Informationen sind ihr Geld allemal wert! Erwähnenswert sind die teilweise sehr originellen, bzw. gelungenen Formulierungen.

 

Ulla Lenze: Die endlose Stadt

 

„If you leave me, I will kill myself“, droht Celal in einer seiner vielen Mails. Doch Holle hat sich sagen lassen, dass in Istanbul „Hüzün“ weht. Das ist eine besondere Form von Melancholie. Das schwarze Gefühl eben, wie es ein großer türkischer Schriftsteller nannte – von jedem Gefühlsausdruck muss man etwas abziehen. Dieser Gedanke beruhigt Holle Schulz, die vom Fotografieren und Malen zu leben versucht. Ihr Freund Celal, Besitzer eines Dönergrills in Istanbul, würde sie am liebsten auf der Stelle heiraten. Doch Holle ist wieder in Berlin. Dort sieht sie Leute wie Deserteure vor Lokalen stehen und rauchen. Im indischen Mumbai geht es dagegen einzig ums Überleben. Und das ist in dieser Stadt eine Sache des Zufalls, wie Theresa auf einem von Holle hinterlassenen Zettel lesen kann. Mumbai hat fast wie Istanbul 13 Millionen Einwohner, die müssen sich allerdings mit weniger als einem Zehntel der Fläche der türkischen Metropolenstadt begnügen.

Der Leser erfährt viel vom widersprüchlichen Leben in der „endlosen Stadt“, unklar und belanglos ist dabei, welche Stadt überhaupt gemeint ist. Die Hauptpersonen Holle und Theresa, die eine Künstlerin, die andere Journalistin, befinden sich unabhängig voneinander auf der Suche nach Antworten. Nach echten Antworten, denn die oberflächlichen suggerieren lediglich, etwas zu kennen oder zu erahnen, von dem man doch nichts weiß. Jedenfalls fehlen die persönlichen Erfahrungen, das eigene Erleben, um es in der Gesamtheit zu verstehen. Was soll das sein, bitte schön, die Drehscheibe zwischen Ost und West, zwischen Orient und Okzident? Holle weiß damit nichts anzufangen, Wanka schon. Christoph Wanka hat Geld und Macht. Er fördert junge Künstler, ist Kunstsammler und ein erfolgreicher Geschäftsmann. Ein Baugruppen- oder Bankenmensch, so genau will Holle das gar nicht wissen, dazu ist er ihr anfangs zu suspekt. Auch hat er in Holles Augen wenig Ahnung von Kunst. Aber es entsteht so etwas wie gegenseitige Sympathie. Und ein Kräftemessen, denn natürlich verkörpert Wanka so ziemlich alles, was die Künstlerin ablehnt.

Ähnlich, aber anders, erlebt es Theresa auf einer Dachterrasse in Mumbai bei einem nächtlichen Streit mit Lorenz: „Weißt du, um welches Prinzip es wirklich geht? Man setzt ins Unrecht. Damit das Unrecht, in dem man selber steht, nicht auffällt. Das ist das Prinzip. Wir müssten uns eigentlich ständig bei diesen Leuten hier entschuldigen, statt sie zur Rechenschaft zu ziehen für Pfennigbeträge, die uns nicht wehtun, ihnen aber tatsächlich etwas bedeuten. Aber, nein, wir kommen ihnen zuvor, wir setzen sie ins Unrecht …“

Eine Erkenntnis, die sich einstellen kann, wenn man in ferne Länder reist und den Menschen begegnet, die uns den eigenen verschwenderischen Lebensstil erst ermöglichen. Auch darum geht es in dem vierten, überaus lesenswerten Roman von Ulla Lenze, der den Leser mitnimmt in besagte Länder, ihn dort selbst erleben und spüren lässt. Ein Roman, der mit Erfahrung, Intelligenz, Liebe, einer gewissen Distanziertheit und stellenweise sogar mit hintergründigem Humor erzählt wird. Auch mit einer gewissen Leichtigkeit. Ein Kunstwerk, dessen Aufgabe es nicht ist, alle Fragen zu beantworten. Denn dann würde es nur einen Zweck erfüllen. Wäre Botschaft und nicht Kunst, um Theresa zu zitieren.

 

David Foenkinos: Charlotte

 

Beim Aufschlagen des Buches glaubt man zunächst ein Songbuch von Bob Dylan vor sich liegen zu haben: Der Roman sieht aus wie ein endloses Gedicht. Lauter Einzeiler mit Satzenden springen einem ins Gesicht. Was soll das? Der Autor erklärt später im Buch dazu, dass er beim Schreiben „beständig das Gefühl verspürte“, eine Zeile neu zu beginnen. Irgendwann begriff er, „dass ich das Buch genau so schreiben musste.“

 

Eine mutige Entscheidung, die Biographie der jungen Malerin Charlotte Salomon (geb. 16.04.1917) optisch so ungewöhnlich zu erzählen. Aber keine Bange: Die anfängliche Verwirrung hält nicht lange an, zu schnell gewöhnt man sich an die gekonnte, einfühlsame und sehr persönliche Erzählweise von David Foenkinos, dem französischen Autor, aus dessen Feder auch „Nathalie küsst“ stammt. Foenkinos erzählt dabei auch, wie er durch eine Berliner Bekannte auf Charlotte aufmerksam wurde. Bereits beim Betrachten ihrer expressionistischen Bilder, in denen sie Momente ihres allzu kurzen Daseins hinterlassen hatte, verschlug es dem Schriftsteller die Sprache. 1942 muss sie einem Bekannten einen Koffer mit den Bildern und den Worten, darin sei ihr ganzes Leben, gegeben haben.

 

So kurz Charlottes Leben auch gewesen war, es war dennoch ereignisreich und schicksalshaft. In ihrer Familie gab es eine geradezu zwanghafte Sucht zum Suizid. Neben anderen Verwandten hatte sich auch ihre Mutter sowie deren Schwester in die Tiefe gestürzt. So lernte die kleine Charlotte ihren eigenen Namen auf dem Grabstein der gleichnamigen Tante lesen. Später heiratete ihr Vater, ein ehrgeiziger Arzt, eine bekannte jüdische Sängerin. Für eine kurze Zeit herrschte reges Leben in der Berliner Wielandstraße 15, wo Künstler und andere Größen des gesellschaftlichen Lebens ein- und ausgingen. Mit Unterstützung des Professors Bartning wurde Charlotte 1933 noch als Jüdin an der Staatsschule für Freie und Angewandte Kunst aufgenommen, doch auch dieses Glück dauerte nicht lange an: „Scharenweise ekeln sich die Menschen vor den jüdischen Kunstwerken. Die Bücher sind bereits verbrannt, jetzt werden Bilder bespuckt.“

 

Ein bewegendes Buch über eine außergewöhnliche, Kraft ausstrahlende, sensible Künstlerin, die mit 26 Jahren im KZ sterben musste. Einfühlsam geschrieben und nicht minder gekonnt übersetzt von Christian Kolb.

 

Mara Ferr: 41 Rue Loubert

 

Was für ein einmaliger, gut geschriebener und origineller Kriminalroman! Die Österreicherin Mara Ferr entführt uns in die Pariser Rue Loubert. Das Haus mit der Nummer 41 ist seit Langem geheimnisvoll und verrucht zugleich. Dort lebt die fast sechzigjährige Louise, die sich schon früh durch Verstand und Gespür vom mittellosen, aus Marseille gekommenen Freudenmädchen zu einer großen Dame der Pariser Gesellschaft entwickelt hat, dabei aber immer bodenständig geblieben ist. 44 Jahre hat sie mittlerweile in diesem Haus gelebt, gearbeitet und getöpfert. Dass sie dort auch allerlei andere Dinge angestellt hat, versteht sich – vor allem wird viel darüber spekuliert. Kein Wunder, gehört doch auch eine Guillotine zum Inventar.

 

Bei der Auswahl ihrer Kunden war Louise stets wählerisch. Mehr als 20 Männer standen nie gleichzeitig auf ihrer Kundenliste. Von Anfang an dabei war Hendrik, ein erfolgreicher Spediteur mit Herz und guten Manieren, dessen Geschäfte irgendwie von selbst zu laufen scheinen. Er kümmert sich ausschließlich um seinen behinderten, längst erwachsenen Sohn Luc, dem er es ebenfalls ermöglicht, regelmäßig die Dienste der geschätzten Madame aus der Rue Loubert in Anspruch zu nehmen. Hendrik, Luc und Louise verbindet am Ende mehr als eine jahrzehntelange Freundschaft.

 

Marcel, ein karrieresüchtiger Kommissar, hat sich dagegen in den Kopf gesetzt, Louise auf die Schliche zu kommen. Er ist fest davon überzeugt, dass sie etwas mit dem plötzlichen Verschwinden von 18 Männern zu tun hat. Gebremst wird er durch seinen Vorgesetzten. Aus gutem Grund, gehört doch auch der Chef zu den erlesenen Besuchern von Haus Nr. 41. Marcel bleibt stur wie kein Zweiter, verzettelt sich oft und kommt, wenn überhaupt, nur langsam voran. Er unterschätzt Louises Beliebtheit und ihre Weitsicht.

 

All dies wird spannend, geschickt, auch humorvoll erzählt. Wären da nicht die neuzeitlichen Geräte wie Laptops oder Videokameras, fühlte man sich stellenweise auch in ein älteres Paris zurückversetzt. 

 

Ilse Jung: Ruhrgebeatgirls

 

Die Duisburgerin Ilse Jung gehörte fast zwei Jahre zu den legendären „Rag Dolls“ (1965-1969), den Lumpenpuppen, wie sich die erste weibliche Beatband aus dem Ruhrgebiet nannte. Ihr lesenswertes Buch gewährt einen interessanten und höchst unterhaltsamen Einblick in die damalige Zeit, als plötzlich vieles anders wurde. Die Jugendlichen begannen sich von den älteren Generationen deutlicher als je zuvor abzusetzen: Sie hatten ihre eigenen Vorstellungen vom Leben, der Welt und natürlich auch von der Musik.


Die Beatmusik hatte es anfangs schwer in Deutschland. Noch schwerer war es allerdings für die jungen Frauen, die gegen Vorurteile, elterliche Vorstellungen und überholte Werte anzukämpfen hatten. Und dann waren da noch die Sticheleien der männlichen Kollegen – auch die gab es, trotz flower power und bekannter werdenden Protestlern wie Degenhardt, Joan Baez und Bob Dylan. Veränderungen brauchten schon damals ihre Zeit!


Das Buch um die „RuhrgeBEATgirls“ beinhaltet zahlreiche Fotos und Presseartikel. Es liest sich flott weg und nach 120 Seiten hat man leider schon das Ende erreicht. Da bleibt einem nur die Hoffnung, Ilse und Manfred Jung einmal live zu erleben. Mit ihrer 1992 gegründeten Band „Still Alive“.

 

Ira Ebner: Schwalben

 

Liebe, Krieg, Unterdrückung und der Freiheitskampf estnischer Widerstandskämpfer gegen die russische Besetzung sind die zentralen Themen des Buches von Ira Ebner. Auf den rund 370 Seiten lernt man einiges über das heutige, vor allem aber über das Estland zur Zeit des 2. Weltkrieges kennen. Gut recherchiert und spannend erzählt ist die Geschichte um Fee Quint, der Deutschbaltin, und dem Fischer Kalju Kask, die nach diversen Schicksalsschlägen im November 1943 heiraten. Die Hochzeit verläuft blitzschnell, zum Feiern fehlen Zeit und Geld.


Auch die Familien sind längst auseinander gerissen. Und die Geschwister der beiden könnten gegensätzlicher gar nicht sein. Fees Bruder Gero ist überzeugter Nationalsozialist, der Bruder Kaljus, Toomas, dagegen ein hundertprozentiger Kommunist. Schon zu eigentlich friedlichen Zeiten prügeln sich die beiden, denn Gero kann es nicht hinnehmen, dass ausgerechnet seine Schwester einen einfachen estnischen Fischer liebt. Die Deutschbalten hielten sich über Jahrhunderte für etwas Besseres ... Diese Ansicht teilen auch Fees Eltern. Letztendlich sind sie aber etwas liberaler eingestellt und stimmen resigniert der Beziehung zu.


Der Roman beginnt im heutigen München. Meret muss beruflich nach Estland und besucht vor der Abreise ihre Großmutter Fee, die dort aufgewachsen ist und, wie erwähnt, ihre große Liebe erlebte, bis der Krieg sie für vier Jahre trennte. Eine weitere Trennung erfolgte dann 1947. Meret ist fasziniert von den Erinnerungen der „Amama“ und begibt sich in Estland auf Spurensuche. Als sie zurück kommt ist sie ihren Job los, weil sie sich weigerte in Tallinn eine kleine Firma über den Tisch zu ziehen. Stattdessen, aber auch stolz und erleichtert, reist sie einige Monate später wieder nach Estland, diesmal in Begleitung ihrer „Amama“.


Der Buchtitel „Schwalben“ irritiert zunächst, macht aber Sinn, wenn man sich vor Augen hält, dass es der Traum des Liebespaares ist, irgendwann frei zu sein „wie die Schwalben“. Ein fast aussichtsloser Wunsch angesichts der russischen Übermacht. Und dann gibt es noch Kaisa, auch sie liebt Kalju … Mehr wird an dieser Stelle aber nicht verraten! Wer sich für historische Romane interessiert und etwas über Estland erfahren möchte (was wissen wir schon über dieses Land?), sollte das Buch lesen.

Taschenbuch und alle E-Book-Formate
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erscheint im Feb. 2018
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Foto: Heinz-Gerd Wöstemeyer (Taschenbuch und Kindle!)
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Cover u. Foto: Jürgen Schmidt (Nur als Kindle-Ebook!)
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Cover u. Foto: Jürgen Schmidt (Taschenbuch und Kindle-Ebook!)
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Cover u. Foto: Jürgen Schmidt (Nur als Kindle-Ebook!)
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Cover u. Foto: Michaela Kura (Taschenbuch, vergriffen!)
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Die Borussia-Diät, Kurzgesch. (Anthologie, alle Formate)
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Cover u. Foto: Jürgen Schmidt (Nur als Kindle-Ebook!)
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15. Nov. Wuppertal
15. Nov. Wuppertal
Cover u. Foto: Jürgen Schmidt (Taschenbuch, vergriffen!)
Cover u. Foto: Jürgen Schmidt (Taschenbuch, vergriffen!)
Cover u. Foto: Jürgen Schmidt (Nur als Kindle-Ebook!)
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Cover: W. Stephan/M. Kura (Taschenbuch, vergriffen!)
Cover: W. Stephan/M. Kura (Taschenbuch, vergriffen!)