Der Roman von

Jürgen Schmidt und Sandra Wagner

 

1. Auflage bei Monsenstein & Vannerdat, Münster 2014, 10,50 €

2. Auflage bei Epubli, Berlin, 2017, 8,99 €

 

Wer zu lange wartet, den bestraft das Leben. Oder die Liebe. Manchmal gilt es, den Moment zu leben, und wer zögert, muss schmerzhaft feststellen, dass die Zukunft in der Gegenwart angelegt wird. Amanda und Mario kreisen umeinander, kommen sich näher und doch wieder nicht nah genug. Geschildert wird die Erzählung aus Marios Sicht und in Form von Amandas Tagebucheinträgen. Zwei Blickwinkel, die dem Leser verdeutlichen: Die eine Wahrheit gibt es ebenso wenig wie ein richtig oder falsch; hingegen gehören immer zwei zum Gelingen oder Scheitern einer zwischenmenschlichen Beziehung.

 

Amandas Ehe mit einem Gefühlslegastheniker ist bereits gescheitert, als sie einen Job im Hotel Größenwahn am Bodensee annimmt. In der Hotelbar lernt sie den gewitzten Kollegen Mario, Barkeeper und Theaterschauspieler, kennen. Schon bald dringt die eigenwillige Frau in den privaten Bereich des verheirateten Vaters vor. Amanda und Mario entwickeln in unterschiedlichem Tempo Gefühle füreinander, die sie jedoch nicht ausleben. Ein paar gestohlene Stunden Zweisamkeit, heimliche Annäherungen, geteilte – jedoch ungestillte – Sehnsucht sowie jede Menge Ungewissheit und Fragen, das ist es, was diese beiden Suchenden verbindet. Während die ungeduldige Amanda schließlich Nägel mit Köpfen machen will, ist Mario wenig entscheidungsfreudig und hofft, dass sich die Situation von selbst regelt. Nähe-Distanz-Probleme und emotionale Zerreißproben sind vorprogrammiert. Als Mario den Moment verpasst, kommt es zu einem Streit. Endlich um die Erkenntnis reicher, dass er sich zu Amanda bekennenwill, muss er feststellen, dass diese ihre Zelte Hals über Kopf abgebrochen hat und verschwunden ist. Wohin, das weiß keiner. In ihren Tagebucheinträgen beschreibt Amanda den Gefühlskosmos dieser ungelebten Liebe, vermischt mit dem Wunsch, nach vorne zu blicken und das Leben vorerst auf Formentera zu genießen – wissend, dass sie ihren Liebeskummer mit im Gepäck hat.

 

Als Mario nach fast einem Jahr Amandas Tagebuch zugespielt wird, reist er unverzüglich auf die Balearen-Insel. Bemüht, späte Antworten zu finden.

Leseprobe aus der Buchmitte

 

Glücklicherweise ist unser Hotel ein Haus der gehobenen Preisklasse. Den Kegelclubs und Sportvereinen sind wir in der Regel zu teuer. Das ist auch gut so, denn wenn diese Cliquen erst einmal auftauchen, sind Unannehmlichkeiten vorprogrammiert. Auch in der SonderBar wird es dann lauter, gleichzeitig sinkt das Niveau in ungeahnte Tiefen. Die allgemeinen Kommentare sind zum Wegwerfen und die Witze gehen regelmäßig unter die Gürtellinie. Trotzdem hindern sie mich manchmal nicht daran, etwas zur geselligen Stimmung beizutragen. Ich erwidere unbekümmert Freundlichkeiten und Aufforderungen, denen ich eigentlich misstraue. Das passiert einfach, eine blöde Eigenschaft von mir. Einmal geschah das peinlicherweise in deinem Beisein, als ich von einem halslosen, aber nicht unsympathischen Mondgesicht aus dem Rheinland gefragt wurde, ob auch ich einen Witz beisteuern kann.

   Spontan schoss es aus mir heraus: „Ob ich kann …? Ich kann immer, ich muss nie!“

   Pause.

   Den Rest erzählte meine Mimik.

   „Auch nicht schlecht! Junge, Junge! Hast du den verstanden, Helga? Mario kann immer, muss nie!“   

   Das rote Mondgesicht strahlte. Es erinnerte stark an Monets Weingeist-Karikatur.

   „Wie bei dir, Fuulhannes – nur anders eröm!“

   „Ach, Liebchen.“

   „Oh Mann, hast du getrunken?“ Dass deine Reaktion so ausfallen würde, hatte ich befürchtet. Ich besitze ein Gespür für so etwas. Nützt nur nichts, wenn es sich verspätet einschaltet.

   „Ich trinke im Dienst nicht, das weißt du doch!“

   „Hörte sich aber schwer danach an. Oder wird das nun zum Standard?“

   „Naja, ein bisschen Spaß … Der Spruch ist auch gar nicht von mir, sondern von Mario Adorf in Lola. Fassbinder! Sagt dir Fassbinder noch etwas?“

   „Du, das macht es jetzt richtig klasse. Gib mir noch ein Wasser, ich muss zurück!“

   „Groß oder klein?“

   „Egal!“

   Ich fand Amandas Reaktion übertrieben. Sie hatte beim plötzlichen Aufbruch ihre Wollstola vergessen, die ich ihr eine halbe Stunde später auf den Schreibtisch legte, froh einen Grund für diesen Abstecher zu haben. Ich küsste sie auf die Stirn und fühlte, dass sie mir bereits verziehen hatte. Sie roch nach dem neuen Parfum von Paloma Picasso. Die Brandschutztür stand wieder auf. Der Narr ist am klügsten wenn er schweigt, heißt es in einem alten Theaterstück. Ich nahm mir noch eine Sesamstange vom Tisch und redete mir ein, dass Amanda den Schal absichtlich hatte liegen lassen.

   Mein Deal mit den jungen Frauen gefiel ihr nicht. Es war hoffnungslos, das vor einer Rezeptionsangestellten geheim zu halten, also versuchte ich es erst gar nicht. In der Bar hatte es sich früh ergeben, dass ich manch einsamem Hotelgast behilflich war, den Abend nicht allein, sondern mit etwas Abwechslung, Vergnügen und Erleichterung zu beenden. Das kam vielleicht drei, höchstens vier Mal im Monat vor, und auch nur dann, wenn ich darauf angesprochen wurde. Ihren wachsamen Augen entging es natürlich nicht. Ich hatte ein halbes Dutzend Telefonnummern gespeichert, kassierte meistens im Voraus, vor allem wenn ich genau wusste, dass unser übermütiger Gast es diese Nacht ohnehin nicht mehr bringen würde. Das Mädchen, meist war es Mitte zwanzig, kam dann wie abgemacht zu mir an den Tresen und es war nicht selten, dass ich es sofort wieder zurückschickte, mich entschuldigte und der Frau das Geld gab. Oder einen Teil davon. Amanda versprach, dass niemand etwas von diesen Besuchen erfahren würde. Das war lieb von ihr, aber die Leitung war sowieso schon lange im Bilde. Man lobte mich bereits im ersten Jahr für meine diskrete Handhabung bei Angelegenheiten, die es im Haus nicht geben durfte. Monate später beauftragten sie mich mit der Beschaffung und Einspeisung von einschlägigen Filmen für unser hoteleigenes Pay-TV. Neben Musik, Drinks, Cocktails und den Huren war ich plötzlich auch für die richtige Sauerei des Hauses zuständig, angeblich ein ausdrücklicher Wunsch zahlreicher Gäste, von dem komischerweise nur das Personal von der Rezeption nie etwas gehört hatte. Für uns ist das ein lohnendes Geschäft. Nicht ein Gast, so erzählte Amanda, hat sich bei ihr oder ihren Kollegen über die maßlos übertriebenen 16,90 Euro pro Tag beschwert, die auf der Rechnung lapidar als Service Plus aufgeführt werden.

Taschenbuch und alle E-Book-Formate
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erscheint im Feb. 2018
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Foto: Heinz-Gerd Wöstemeyer (Taschenbuch und Kindle!)
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Cover u. Foto: Jürgen Schmidt (Nur als Kindle-Ebook!)
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Cover u. Foto: Jürgen Schmidt (Taschenbuch und Kindle-Ebook!)
Cover u. Foto: Jürgen Schmidt (Taschenbuch und Kindle-Ebook!)
Cover u. Foto: Jürgen Schmidt (Nur als Kindle-Ebook!)
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Cover u. Foto: Michaela Kura (Taschenbuch, vergriffen!)
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Die Borussia-Diät, Kurzgesch. (Anthologie, alle Formate)
Die Borussia-Diät, Kurzgesch. (Anthologie, alle Formate)
Cover u. Foto: Jürgen Schmidt (Nur als Kindle-Ebook!)
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15. Nov. Wuppertal
15. Nov. Wuppertal
Cover u. Foto: Jürgen Schmidt (Taschenbuch, vergriffen!)
Cover u. Foto: Jürgen Schmidt (Taschenbuch, vergriffen!)
Cover u. Foto: Jürgen Schmidt (Nur als Kindle-Ebook!)
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Cover: W. Stephan/M. Kura (Taschenbuch, vergriffen!)
Cover: W. Stephan/M. Kura (Taschenbuch, vergriffen!)