Die Geschichte hinter der Geschichte

 

Jürgen Schmidt hatte die Idee zur Erzählung bereits in 2009 bei einem Aufenthalt am Bodensee. Für das Tagebuch der Amanda schwebte ihm eine weibliche Autorin vor. Warum? Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Sandra Wagner?

 

Jürgen Schmidt: Zunächst war die Geschichte als eigenständige Erzählung geplant. Aber mir fehlte noch etwas, das ich nicht benennen konnte. Irgendwann kam die Idee, dass es für den Leser sehr interessant sein könnte, Marios Geschichte auch aus Amandas Perspektive erzählt zu bekommen. Außerdem fehlten in der Erzählung jede Menge Ereignisse, auch Stimmungen, die nur Amanda hätte beschreiben können. Ich suchte in einem Forum nach entsprechenden Autorinnen, schrieb aber auch direkt welche an. Sandra kannte ich aus einer früheren Zusammenarbeit, sie hatte 1999 zwei Geschichten zu meinem niederrheinischen Lesebuch beigesteuert. Mir war auch wichtig, eine Autorin zu gewinnen, bei der ich nicht das Gefühl hatte, der bessere Autor zu sein. Von drei oder vier angeschriebenen Autorinnen, sagte Sandra bei einem Cappuccino im Café zu. Damit war die Sache früh entschieden.

 

Was ist das Besondere (beim Entstehen) an „Chiliherzen“?

 

Jürgen Schmidt: Ich habe das Gefühl, dass diese Art von Liebesgeschichte etwas Einmaliges ist. Ich kenne kein Beispiel dafür, wo ein und die gleiche Geschichte aus zwei Perspektiven erzählt wird. Mit unterschiedlicher Wahrnehmung natürlich. Klar weiß ich, dass es in der Literatur alles schon gegeben hat. Aber da ich nichts Vergleichbares vor Augen habe, erhalte ich mir die Illusion des Einmaligen.

 

Sandra Wagner: Mich hat die Vorstellung fasziniert, einer Person, von der ich nur den Namen kannte und wusste, dass sie für den Protagonisten eine große Bedeutung hat, ganz nach meinen eigenen Vorstellungen Leben einzuhauchen. Lediglich zu ihrem Äußeren habe ich von Jürgen ein paar Stichpunkte erhalten. Amanda hat sich mir erst im Laufe ihrer Tagebucheinträge erschlossen, sich geformt und entwickelt. Das war spannend und ich war neugierig, wie Jürgen bzw. Mario auf sie reagiert. Mir ist Amanda durch ihr Tagebuch und ihre Art, die Dinge zu sehen, ein bisschen ans Herz gewachsen. An ihrer Stelle hätte ich dem unentschlossenen Mario vors Schienbein getreten!

 

Eine gemeinschaftliche Textproduktion scheint keine unkomplizierte Sache. Wie ist es gelaufen? Worin liegen die Vor- und evtl. Nachteile? Wie wurde die Arbeit empfunden?

 

Sandra Wagner: Eine derartige Form der Zusammenarbeit war für mich ganz neu und zugegebenermaßen manchmal zäh und anstrengend. Von Vorteil war, dass Jürgen mich hat machen bzw. Amanda hat erschaffen lassen. Mario und Amanda mussten erst zusammenwachsen, das galt ein Stück weit auch für uns Autoren. Wer ist beim Schreiben schon gerne kompromissbereit? Ab und zu hat jeder für seine Person gekämpft. Trotzdem möchte ich diese Erfahrung nicht missen. Im Gegenteil, ich freue mich, dass wir gerade zum Ende hin noch einige Ideen hatten und uns erstaunlich schnell einig wurden.

 

Jürgen Schmidt: Total spannend war es, die ersten Tagebucheinträge zu lesen. Da sah ich meine Ideen in neuem Gewand – vieles anders verstanden und beschrieben, wie es bei Mario und Amanda schließlich auch war. Ich wollte protestieren, aber ich wusste: So muss es sein! Eigentlich ist nichts so gelaufen, wie ich mir das vorgestellt hatte. Sandra hatte nie Zeit, die Dinge unter vier Augen zu besprechen, dafür wurden einige Hundert Mails geschrieben. Auch Missverständnisse gab es. Dass wir dennoch jetzt das Ziel erreicht haben, spricht für unsere Disziplin: Wir wollten beide das Buch!

 

Und jetzt, aus den Augen, aus dem Sinn?

 

Jürgen Schmidt: Aus den Augen sowieso, das war während des Schreibens schon so und wird jetzt nicht einfacher, nachdem Sandra nach Ostfriesland gezogen ist. Aus dem Sinn nicht, denn das Buch und die damit verbundenen Erfahrungen werden mich noch lange begleiten. Ob es zu gemeinsamen Lesungen kommt, bleibt abzuwarten. Interessant wäre es schon.

 

Sandra Wagner: Eine derartige Zusammenarbeit verbindet, keine Frage. Ich wünsche mir zumindest eine gemeinsame Lesung, sie gehört für mich dazu und rundet das Projekt ab. Zudem kann ich mir nur schwer vorstellen, wie Jürgen Amandas Tagebucheinträge liest. Da gehört eine Frauenstimme hin! So wie auch Mario von einem Mann gelesen werden sollte, das ist rund. Wer uns also im Doppelpack zu einer Lesung einladen möchte, sollte sich nicht zurückhalten …

Taschenbuch und alle E-Book-Formate
Taschenbuch und alle E-Book-Formate
Foto: Heinz-Gerd Wöstemeyer (Taschenbuch und Kindle!)
Foto: Heinz-Gerd Wöstemeyer (Taschenbuch und Kindle!)
Cover u. Foto: Jürgen Schmidt (Nur als Kindle-Ebook!)
Cover u. Foto: Jürgen Schmidt (Nur als Kindle-Ebook!)
Cover u. Foto: Jürgen Schmidt (Taschenbuch und Kindle-Ebook!)
Cover u. Foto: Jürgen Schmidt (Taschenbuch und Kindle-Ebook!)
Cover u. Foto: Jürgen Schmidt (Nur als Kindle-Ebook!)
Cover u. Foto: Jürgen Schmidt (Nur als Kindle-Ebook!)
Cover u. Foto: Michaela Kura (Taschenbuch, vergriffen!)
Cover u. Foto: Michaela Kura (Taschenbuch, vergriffen!)
Die Borussia-Diät, Kurzgesch. (Anthologie, alle Formate)
Die Borussia-Diät, Kurzgesch. (Anthologie, alle Formate)
Cover u. Foto: Jürgen Schmidt (Nur als Kindle-Ebook!)
Cover u. Foto: Jürgen Schmidt (Nur als Kindle-Ebook!)
15. Nov. Wuppertal
15. Nov. Wuppertal
Cover u. Foto: Jürgen Schmidt (Taschenbuch, vergriffen!)
Cover u. Foto: Jürgen Schmidt (Taschenbuch, vergriffen!)
Cover u. Foto: Jürgen Schmidt (Nur als Kindle-Ebook!)
Cover u. Foto: Jürgen Schmidt (Nur als Kindle-Ebook!)
Cover: W. Stephan/M. Kura (Taschenbuch, vergriffen!)
Cover: W. Stephan/M. Kura (Taschenbuch, vergriffen!)